BDSM in Wien: Communities, Clubs und sexpositive Events

Konkrete Termine findest du am ehesten über JOYclub. Dort ist oft auch zu sehen, wer sonst noch zugesagt hat. Das gibt zumindest einen ersten Eindruck davon, wie der Abend werden könnte.

Wenn du zum ersten Mal Kontakt mit der Wiener BDSM-Szene suchst, unterscheide am besten gleich zwischen Vereinen und geselligen Stammtischen auf der einen und Clubs und Partys auf der anderen Seite. Das sind völlig unterschiedliche Erfahrungen. Wer beides verwechselt, ist beim ersten Besuch schnell überfordert.

Illustration einer dominant auftretenden Frau mit kniendem Partner vor einer Abendgesellschaft
Symbolbild; keine der genannten Wiener Locations.

BDSM-Communities und Einstieg in Wien

Libertine Wien

Libertine Wien gibt es seit 1986. Der Verein bezeichnet sich selbst als Österreichs älteste noch bestehende gemeinnützige Interessengemeinschaft für Sadomasochismus und BDSM. Der regelmäßige Stammtisch im SMart Café ist ausdrücklich für Neulinge genauso gedacht wie für Leute, die öfter kommen. Du musst nicht in Fetischkleidung auftauchen. Das SMart ist allerdings ein Szenelokal: Dort kann gespielt werden, und wer mag, kann erotischere oder fetischorientierte Kleidung tragen. Es ist ein Szenestammtisch und kein Vanilla-Restauranttreffen, bei dem alle so tun, als wären sie nur wegen der Pasta da. Wenn du vor deinem ersten Besuch nervös bist, lies dir die Infos zu Beginners Welcome durch. Das Angebot richtet sich ausdrücklich an Menschen, die in die Wiener BDSM-Szene einsteigen möchten und noch nicht wissen, wie alles abläuft. Du brauchst weder Erfahrung noch Ausrüstung noch Kontakte in die Szene. Daneben gibt es Libertine Youngblood für junge Erwachsene aus der Kink-Szene; eine kurze E-Mail vorab ist für die Planung erwünscht.

SMJG Wien

Die Wiener Gruppe gibt es seit 2003. Sie richtet sich an Menschen von 14 bis einschließlich 27 Jahren, die über BDSM und Kink sprechen möchten. Wo genau das Treffen stattfindet, erfährst du nach der Kontaktaufnahme mit dem Organisationsteam. Entscheidend ist: Bei der SMJG wird nicht gespielt. Gar nicht. Kein Sex, keine sexuellen Inhalte, kein Anbaggern. Weil sich die Gruppe in einem gewöhnlichen öffentlichen Café oder Restaurant trifft, kommen alle in normaler Alltagskleidung. Flirten und das Anbaggern anderer Teilnehmender sind ausdrücklich untersagt. Gerade ohne Erfahrung ist das ein ungewöhnlich entspannter Einstieg: Du brauchst kein BDSM-Vorwissen, das Treffen ist bis auf deine eigene Konsumation gratis, und wenn du nicht allein hineingehen möchtest, kannst du vorher jemanden aus dem Organisationsteam kontaktieren. Ich würde die SMJG nie in dieselbe Kategorie wie No Limits, Libelle oder eine Fetischparty stecken. Sie ist ausdrücklich kein sexuelles Angebot und kein Partyformat.

Community-Treffen verifizieren

In alten Verzeichnissen der Wiener Szene stehen viele Stammtische, die es einmal wirklich gab, die heute aber nicht mehr stattfinden. FetischPartyAT weist selbst darauf hin, dass sein Stammtischverzeichnis nur sporadisch auf Aktualität geprüft wird. Libertine und SMJG veröffentlichen die aktuellen Infos zu ihren Treffen auf den eigenen Websites.

Meine Faustregel ist einfach: Ein Szenekalender zeigt dir, was du dir näher ansehen könntest. Bevor du dich wirklich auf den Weg machst, prüf die Seite des Veranstalters.

Workshops und kommerzielle BDSM-Locations in Wien

No Limits: Bar, Lounge und Eventlocation

Das Lokal befindet sich in der Wurmbstraße 36, 1120 Wien, und wird als SM-Club, Bar und Lounge beschrieben. Dieselbe Adresse steht auch im QueerCityPass-Eintrag zu No Limits. Was ich nicht tun würde: No Limits als ein einziges, immer gleiches Erlebnis beschreiben. In den Räumen finden verschiedene Formate mit eigenen Regeln statt. Bei RubberBoost bestimmt der Dresscode den Abend, wie die Angaben zu RubberBoost zeigen. Lounge Noire wiederum ist ein eigenes Dance-&-Play-Format mit eigener Organisation und Ticketstruktur.

Das Séparée: buchbare Location, Workshops und kleine Events

Das Séparée ist eher eine private Kink-Location für Workshops und kleine Treffen als ein klassischer Club, der jedes Wochenende geöffnet hat.

Das Séparée findest du in der Ziegelofengasse 7, Tür 2, 1050 Wien; unter derselben Adresse werden auch Bondage-Kurse angekündigt. Schau dir den jeweiligen Workshop oder die Buchungsseite an, statt einfach hinzugehen und einen öffentlichen Barabend zu erwarten. Was an einem bestimmten Abend stattfindet, hängt ganz davon ab, was gebucht wurde. Ein Hinweis noch: „Séparée“ ist ein allgemeiner Begriff, den auch andere Wiener Betriebe verwendet haben. Vergewissere dich deshalb, dass sich ein Eintrag wirklich auf Das Séparée in der Ziegelofengasse 7 bezieht, bevor du dich darauf verlässt.

Libelle: sexpositive Location mit Eventkalender

Die Location nennt sich Libelle Wien, früher Schwelle Wien. Sie versteht sich als ein nach eigener Darstellung nicht gewinnorientierter, sexpositiver Ort, an dem Offenheit, Inklusion sowie Sex-, Körper- und Liebespositivität im Mittelpunkt stehen. Du findest sie in der Tellgasse 25/1, 1150 Wien. Das Programm reicht von Workshops und Jams bis zu geselligen Veranstaltungen. Deshalb bringt dich die Frage „Was ist die Libelle?“ weniger weit als: „Was ist an dem Abend, an dem ich hingehen will, in der Libelle los?“

Die Haltung des Hauses ist ungewöhnlich klar beschrieben. Die meisten Veranstaltungen kannst du allein, zu zweit oder im Freundeskreis besuchen. Für manche Workshops brauchst du allerdings eine fixe Partnerin oder einen fixen Partner; das steht dann in der Ankündigung. Die Location vermittelt keine Workshop-Partner. Wichtig ist auch: Laut Libelle sind die Räume grundsätzlich offen angelegt. Es gibt ruhigere Bereiche, aber keine eigenen privaten Rückzugsräume, daher kann man andere manchmal sehen oder hören. Wer zuschaut, beteiligt sich nur nach ausdrücklicher Einladung. Beim Consent sind die Spielregeln des Hauses eindeutig.

Sexpositive Veranstalter und Formate in Wien

Hausgemacht: gemeinnütziger Veranstalter

Hausgemacht veranstaltet Events, ist aber kein dauerhaft geöffneter Club mit fixer Adresse. Du kannst dort also nicht einfach vorbeischauen, wann immer dir danach ist.

Hausgemacht beschreibt sich als basisdemokratischen, gemeinnützigen Kunst- und Kulturverein und ist seit 2014 in Wien aktiv. Der Verein veranstaltet Techno- und sexpositive Events. Bei der Safer-Space-Arbeit stehen FLINTA*-Personen im Mittelpunkt. Außerdem vertritt der Verein feministische, antirassistische und LGBTQIA+-inklusive Positionen. Nacktzeptanz zeigt gut, warum du dir immer das konkrete Format ansehen solltest. Für eine angekündigte Ausgabe waren ein strenger Dresscode, personalisierte Vorverkaufstickets, keine Abendkassa, ein Vibe-Check am Eingang und ein Fotografierverbot vorgesehen. Sexuelle Handlungen sollten laut Beschreibung ausschließlich in einem dafür vorgesehenen Raum stattfinden. Die pauschale Behauptung, bei Hausgemacht-Partys finde überall Sex statt, wäre also schlicht falsch. Die Eventbeschreibung zeigt genau, warum solche Verallgemeinerungen nicht funktionieren.

Sexpositive Formate von BDSM-Partys unterscheiden

Entscheidend ist, worauf der jeweilige Abend ausgerichtet ist.

Bei einer BDSM- oder Fetischparty wie RubberBoost stehen Fetischkleidung und Kink im Zentrum: Bei einer Ausgabe war Latex Voraussetzung für den Einlass. Bei Lounge Noire gehören „Dance & Play“ und die BDSM-Ausstattung der Location zum angekündigten Konzept. Auch bei einem sexpositiven Veranstalter wie Hausgemacht oder einer Location wie der Libelle kann BDSM vorkommen. Dort geht es außerdem um Consent, körperliche Selbstbestimmung, Queerness, darum, sich selbst ausdrücken zu können, und um das Recht, sexuell überhaupt nicht mitzumachen. Manche Formate liegen dazwischen. In der Libelle kann an einem Abend ein ausdrücklich kinkorientierter Workshop stattfinden und am nächsten Karaoke. Beurteile also den einzelnen Termin, nicht nur die Adresse.

Fetisch- und Kink-Partys in Wien

FetischPartyAT: Kalender und Partyplanung, keine Location

Auf der englischsprachigen Startseite nennt sich das Angebot Partyplaner für Fetisch-, BDSM- und Lifestyle-Partys mit Schwerpunkt auf Wien und Österreich. Dort steht ausdrücklich, dass die gelisteten Veranstaltungen nicht vom Betreiber des Verzeichnisses organisiert werden und die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Die Einträge lassen sich nach Location aufrufen, darunter Das Séparée, No Limits und SMart Café; außerdem gibt es ein Stammtischverzeichnis. Sehr praktisch, wenn du wissen willst: „Was könnte demnächst in Wien stattfinden?“ Für die Frage „Wer veranstaltet diesen Abend eigentlich?“ reicht das Verzeichnis allein aber nicht aus.

Die Seite hat auch eigene Projektseiten wie RubberBoost/RubberWalk, sammelt also nicht bloß Termine. Trotzdem würde ich nicht davon ausgehen, dass FetischPartyAT jeden Eintrag im allgemeinen Kalender selbst organisiert. Den entsprechenden Haftungs- und Vollständigkeitshinweis findest du auf der Startseite.

Veranstaltungen finden und Angaben verifizieren

Primärquellen von Community-Kalendern unterscheiden

Wenn ich Informationen zu Wiener Kink-Veranstaltungen prüfe, halte ich mich ungefähr an diese Reihenfolge: zuerst die offizielle Eventseite des Veranstalters, dann die Ticketseite, danach ein vom Veranstalter verlinkter Eintrag auf JOYclub oder FetLife, anschließend ein Szenekalender und zuletzt Reddit sowie Google-Rezensionen.

Das macht JOYclub nicht nutzlos. Im Gegenteil: Bewertungen und Kommentare von Teilnehmenden können zusätzliche Hinweise liefern, die auf der Veranstalterseite fehlen. JOYclub weist allerdings darauf hin, dass allein der jeweilige Veranstalter für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Eventangaben verantwortlich ist. Auch FetischPartyAT schreibt offen, dass die Veranstaltungsliste nicht vollständig ist und die Events im Allgemeinen nicht vom Betreiber des Verzeichnisses organisiert werden. Beim Stammtischverzeichnis kommt dazu, dass die Einträge nur sporadisch überprüft werden. Reddit und Google-Rezensionen helfen bei der Suche und vermitteln einen groben Eindruck, ersetzen aber nicht die Regeln des Veranstalters.

Was du vor deinem ersten Besuch in der Wiener Szene prüfen solltest

Zielgruppe, Altersgrenzen und Einlass laut Veranstalter

Nicht jede Kink-Veranstaltung in Wien lässt jede volljährige Person einfach herein. Verlass dich nicht darauf.

Bei der SMJG ist die Zielgruppe klar eingegrenzt: Sie richtet sich an Menschen von 14 bis einschließlich 27 Jahren, und die Treffen sind strikt nicht sexuell. Bei einzelnen Partys können Vorverkaufstickets, Kontrollen an der Tür oder strenge Kleidungsvorgaben dazukommen. Laut Libelle kannst du die meisten Veranstaltungen allein, zu zweit oder im Freundeskreis besuchen. Wenn ein Workshop eine fixe Partnerin oder einen fixen Partner voraussetzt, steht das in der jeweiligen Ankündigung. Ob Singles eine BDSM-Veranstaltung in Wien besuchen können, lässt sich also nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten. Lies die Ticketkategorien und die Eventbeschreibung des Veranstalters.

Dresscode, Consent und Awareness-Regeln je nach Format

Die Bandbreite beim Dresscode reicht in Wien von ganz normaler Kleidung fürs Café bis zu ohne Latex kein Einlass.

Bei der SMJG passt normale Alltagskleidung, schließlich finden die Treffen in gewöhnlichen öffentlichen Lokalen statt. Der reguläre Stammtisch der Libertine ist viel flexibler: Fetischkleidung oder erotische Kleidung ist willkommen, aber kein Muss. Außerdem wird der Stammtisch als anfängerfreundlich beschrieben.

RubberBoost liegt am anderen Ende der Skala. Bei einer Ausgabe waren Latex beziehungsweise Gummi verpflichtend; Baumwolle, Denim und gewöhnliche Abendkleidung waren ausgeschlossen. Die Eventbeschreibung erinnerte außerdem ausdrücklich daran, vor Berührungen zu fragen. Für eine angekündigte Ausgabe von Nacktzeptanz waren Dessous, Kink, Leder, Latex beziehungsweise Fetisch und Nacktheit vorgesehen. Geplant waren außerdem eine strenge Einlasskontrolle, ein Fotografierverbot und ein Awareness-Team. In den allgemeinen Spielregeln der Libelle stehen Consent und Respekt im Vordergrund; einzelne Workshops können zusätzliche Grenzen und Sicherheitsvorgaben haben. Solche Details klärst du besser vorher, nicht erst an der Bar, wenn du dich fragst, worauf du dich da eingelassen hast.

Play, Zuschauen und Aufenthaltsbereiche nicht verallgemeinern

Das ist für mich die wichtigste Faustregel in diesem Guide: Aus dem Wort „sexpositiv“ kannst du weder die Raumaufteilung noch den Umgang miteinander ableiten.

In der Libelle sind die Räume offen angelegt. Es gibt ruhigere Bereiche, aber keine eigenen Privaträume, daher kann man andere mitunter sehen oder hören. Wer zuschaut, beteiligt sich nur nach ausdrücklicher Einladung. In Hausgemachts Ankündigung für Nacktzeptanz waren sexuelle Handlungen ausschließlich in einem dafür vorgesehenen Raum geplant. So sollte der Rest der Veranstaltung für Menschen angenehmer bleiben, die sexuelle Handlungen lieber nicht miterleben möchten. Bei der SMJG gibt es überhaupt kein Spiel und keinerlei sexuelle Aktivitäten. Das sind vollkommen unterschiedliche Rahmenbedingungen. Ein Guide, der all das auf „Dort kann gespielt werden, während andere zuschauen“ verkürzt, bereitet dich schlecht auf den Abend vor.

Gemeinsam weiter erkunden

Mit BeMoreKinky könnt ihr Wünsche, Grenzen und neue Ideen als Paar besprechen.